FACKEL DER NACHT // JRK
„Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth.“ — Maleachi 3,19
Wir, letzter Sternenstaub der alten Sonne, die längst erloschen ist – sind wir nicht ausgestoßen in die unendliche Leere des Nichts? Fallend, stürzend in die immer tiefere Nacht – Abyssus abyssum invocat. Uns, Söhne der Nyx, blieb als Vertraute nur noch die Finsternis; uns lässt das Schicksal heißen: Boten der Nemesis.
Einst schritt ein Mann durchs Land, der sein Haupt hob der Sonne entgegen und, diese Herrlichkeit selber seiend, sprach: „Seid wie dieser! Stets von Neuem erhebt sich Helios – mühelos, im fortschreitenden Siegeslauf über die Gipfel der Himmel, siegend, um seinen Sieg zu vollenden, brennend in der Flamme des ewigen Lichts!“ So sollen wir, dem Deus Sol invictus gleich, brennend aus der alles durchdringenden Finsternis emporsteigen.
Meinte man nicht einst, die Christen hätten Rom in Brand gesetzt? Und gingen jene nicht selbst in Flammen auf, wie Leuchten in den Gärten Neros? Anathematisch in die Lüfte erhoben, verflucht und gottgeweiht zugleich. Hoch erhoben in der endlosen Nacht leuchtet des Märtyrers Siegeszeichen wider die pompa diaboli.
Wo Aas ist, da sammeln sich die Geier; wo Verwesung herrscht, da ruft das Feuer. Auch in der Nacht zündet sich der Funke, denn alles dürstet nach dem Licht. Aber wohnt denn nicht auch ein Gott selbst in uns, der danach lechzt, entzündet zu werden?
„Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“, sprach der lichtgehörnte Prophet der Wüste. „Das Feuer lebt den Tod der Erde“, sprach jener, den sie den Dunklen nannten. Denn alles Gottlose muss verzehrt werden, auf dass Gott werde alles in Allem.
Bei der zweiten Wiederkunft wird das Feuer der Gehenna die Welt richten durch das Licht, das sie einst empfing. Zündet man nicht die Fackel an, auf dass man das Unkraut von der Heide brenne? Wir, Söhne der Nyx, Vertraute der Finsternis, Boten der Nemesis – wir brennen wie die Fackel der Nacht! Und lechzt nicht das verzehrende Feuer in uns, sternenlos, de-sider-are, ganz in Flammen aufzugehen?
So lasst uns ganz und gar als göttliches Feuer entbrennen.
Denn Geist wurde Fleisch, damit alles Fleisch Feuer werde.


